Spiroergometrie oder Laktattest: Was brauchst du wirklich?

01.03.2026

Wer seine Schwellen genau kennen will, landet früher oder später bei einer Leistungsdiagnostik. Dann stellt sich die Frage: Spiroergometrie oder Laktattest? Beide Verfahren haben ihre Fans, und im Netz findest du zu jedem eine Menge Meinungen. Hier liest du, was die beiden Tests messen, worin sie sich unterscheiden und welcher zu deinen Zielen passt.


Was beide Tests gemeinsam haben

Der Ablauf ist bei beiden fast gleich. Du fährst einen Stufentest, meist auf einem Smart Trainer oder Ergometer. Die Leistung steigt in festen Schritten, bis du nicht mehr kannst oder ein festgelegter Endpunkt erreicht ist. Der Unterschied liegt darin, was während dieser Stufen gemessen wird: dein Blut oder dein Atem.

Laktattest: Schwellen aus dem Blut

Beim Laktattest wird am Ende jeder Stufe ein Tropfen Blut aus dem Ohrläppchen oder der Fingerkuppe entnommen. Daraus entsteht eine Kurve, wie stark das Laktat mit der Leistung ansteigt. An dieser Kurve werden die erste und die zweite Schwelle bestimmt.

  • Stärke: Viele Praxen und Labore bieten ihn an, du findest ihn also leicht.
  • Zusatzwert: Mit einem eigenen Sprinttest lässt sich die VLamax schätzen.
  • Zu bedenken: Es gibt viele Modelle, die Schwellen aus der Kurve abzulesen.

Radfahrerin fährt auf kurviger Straße durch bewaldete Hügel, Bäume ohne Blätter und bewölkter Himmel im Hintergrund.
Radfahrer führt eine Spiroergometrie als Leistungsdiagnostik in einem Labor mit Atemmaske durch.

Spiroergometrie: Schwellen aus dem Atem

Bei der Spiroergometrie trägst du eine Atemmaske. Sie misst bei jedem Atemzug, wie viel Sauerstoff du aufnimmst und wie viel Kohlendioxid du abgibst. Aus dem Verlauf der Atemgase werden ebenfalls zwei Schwellen bestimmt.

  • Stärke: Deine VO2max wird direkt gemessen und nicht geschätzt.
  • Zusatzwert: Du siehst, wie stark du in welchem Bereich Fett verbrennst.
  • Zu bedenken: An die Maske musst du dich in den ersten Minuten gewöhnen.

Was die Forschung zeigt

Eine Studie an trainierten Radsportlern hat beide Verfahren direkt verglichen. Die Schwellen aus Laktat und Atemgasen lagen bei nahezu gleichen Wattwerten. Beide ließen sich gut wiederholen: Zwischen zwei Tests schwankten die Werte meist um weniger als vier Prozent.

Eine große Übersichtsarbeit macht aber auch deutlich, dass es sehr viele Schwellenkonzepte gibt. Sie beschreiben ähnliche Übergänge im Stoffwechsel, sind aber nicht identisch. Ein Wert aus Labor A lässt sich deshalb nicht eins zu eins mit einem Wert aus Labor B vergleichen.

Wichtiger als das Verfahren ist, dass du immer gleich misst.

Der Sonderfall VLamax

Die VLamax beschreibt, wie schnell dein Körper Laktat bilden kann, also wie stark dein Sprintstoffwechsel ausgeprägt ist. Im Labor wird sie über das Laktat nach einem kurzen Sprint bestimmt, manche Programme schätzen sie auch aus deinen Leistungsdaten. Werte aus verschiedenen Verfahren lassen sich deshalb nicht einfach vergleichen. Eine Studie zur Wiederholbarkeit fand allerdings Schwankungen von rund 19 Prozent zwischen zwei Tests. Für kleine Veränderungen ist der Wert deshalb wenig aussagekräftig. Wer die VLamax braucht und wer nicht, schauen wir uns in einem eigenen Beitrag an.

Aus meiner Erfahrung

Viele fragen mich, welcher Test genauer ist. Für deine Schwellen und Trainingsbereiche liefern beide gute Werte. Ich habe mich für die Spiroergometrie entschieden, weil sie Schwellen und VO2max in einem Test liefert und ohne Blutabnahme auskommt. Blutabnahmen überlasse ich bewusst Ärztinnen und Ärzten.

Welcher Test passt zu dir?

Welcher Test sich lohnt, hängt davon ab, was du fährst und was du mit den Werten vorhast. So würde ich entscheiden:

  • Du trainierst ohne festes Ziel: Hier zählt vor allem, regelmäßig im passenden Bereich zu trainieren. Dafür reicht ein FTP-Test in deiner Trainingssoftware, aus dem sie deine Trainingsbereiche ableitet.
  • Du bereitest dich auf die Cyclassics vor: Hier zählen Tempo in der Gruppe und viele kurze Antritte über der Schwelle. Die Spiroergometrie zeigt dir deine zweite Schwelle und deine VO2max, also genau die Bereiche für Tempo und harte Intervalle.
  • Du bereitest dich auf den Ötztaler vor: Hier zählen lange Anstiege und ein kluges Tempo über viele Stunden. Die Spiroergometrie zeigt dir deine erste Schwelle sehr genau, also die Grenze, bis zu der du lange gleichmäßig fahren kannst.
  • Du fährst Sprints oder Kriterien: Hier zählt, wie viel Energie du kurz und explosiv bereitstellen kannst. Ein Laktattest mit Sprint liefert dir zusätzlich eine VLamax, die allerdings von Test zu Test deutlich schwankt.

Für die meisten Jedermann-Events, egal ob flach und schnell oder lang und bergig, ist die Spiroergometrie aus meiner Sicht die passende Wahl. Sie misst beide Schwellen ohne Blutabnahme, und aus ihnen leitest du die Bereiche für Grundlage, Tempo und Intervalle ab.

Ist eine Kombination beider Tests möglich?

Manche Labore kombinieren beides in einem Test, also Maske und Blutproben. Das ist praktisch, hat aber einen Haken: Eine Studie mit trainierten Radsportlern kam zu dem Schluss, dass sich Laktatschwelle und VO2max nicht im selben Test gleich genau bestimmen lassen. Wer beides exakt wissen will, braucht eher zwei getrennte Tests.

Egal, wofür du dich entscheidest: Der eigentliche Nutzen entsteht beim Wiederholen. Bleib bei einem Verfahren und komm immer ausgeruht und gleich vorbereitet zum Test. Dann siehst du, wie sich deine Werte entwickeln, und nicht nur deine Tagesform.

Wichtig zu wissen: Eine Leistungsdiagnostik ersetzt keinen sportmedizinischen Check mit EKG und ärztlicher Untersuchung. Wenn du Rennen fährst oder Vorerkrankungen hast, ist das ein eigener Termin bei einer Sportärztin oder einem Sportarzt.

Du willst deine Schwellen und deine VO2max genau kennen? In der Diagnostik messen wir sie per Spiroergometrie auf deinem eigenen Rad. 

Zur Diagnostik →

Quellen

  1. Pallarés, J. G., Morán-Navarro, R., Ortega, J. F., Fernández-Elías, V. E. & Mora-Rodriguez, R. (2016): Validity and Reliability of Ventilatory and Blood Lactate Thresholds in Well-Trained Cyclists. PLoS ONE, 11(9), e0163389. plos.org
  2. Jamnick, N. A., Pettitt, R. W., Granata, C., Pyne, D. B. & Bishop, D. J. (2020): An Examination and Critique of Current Methods to Determine Exercise Intensity. Sports Medicine, 50(10), 1729-1756. springer.com
  3. Jamnick, N. A., Botella, J., Pyne, D. B. & Bishop, D. J. (2018): Manipulating graded exercise test variables affects the validity of the lactate threshold and VO2peak. PLoS ONE, 13(7), e0199794. plos.org
  4. Buchfuhrer, M. J., Hansen, J. E., Robinson, T. E., Sue, D. Y., Wasserman, K. & Whipp, B. J. (1983): Optimizing the exercise protocol for cardiopulmonary assessment. Journal of Applied Physiology, 55(5), 1558-1564. physiology.org
  5. Harnish, C. R., Swensen, T. C. & King, D. (2023): Reliability of the 15-s Maximal Lactate Accumulation Rate (VLamax) Test for Cycling. Physiologia, 3(4), 542-551. mdpi.com
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Konrad, vortriebwerk

Über den Autor

Ich bin Konrad, Radsport-Trainer mit B-Lizenz von German Cycling und selbst ambitionierter Rennradfahrer. Mit vortriebwerk begleite ich dich im Raum Hamburg und online bei Bikefitting, Diagnostik und Coaching, sportphysiotherapeutisch fundiert.

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